02.01.26 - ein sehr persönlicher Rückblick

Wenn ich auf das Jahr 2025 zurückblicke, so sehe ich sehr, sehr viel Unterschiedliches. Wie bei jedem, so gibt es natürlich auch bei mir jederzeit Gutes und Schlechtes, das meinen Weg säumt. Genau genommen liegt es an uns, was von alldem wir in welchem Moment wahrnehmen und natürlich auch, was wir näher an uns heranlassen. Und ich nehm es mal vorweg – mein Vorsatz für das Neue Jahr 2026 hat sehr viel damit zu tun.

Ich habe in diesem Jahr kein Buch veröffentlicht – das könnte schlecht sein, aber es könnte auch bedeuten, dass ich mir Zeit nehme, um in Ruhe an dem zu arbeiten, was irgendwann das Licht der Öffentlichkeit erblicken wird.

Ich habe in diesem Jahr viel Musik gemacht und dabei aber viel zu wenig »gut« geübt. Das bedeutet, dass man mit den Ressourcen, die man zur Verfügung hat zu großzügig umgeht (Musiker verstehen das bestimmt). Das könnte schlecht sein, ist es natürlich auch auf eine Weise, aber es hat mich so tolle Dinge erleben, wunderbare Musik entdecken und neue Menschen kennenlernen lassen. Schließlich hat der Tag nur 24 Stunden und man muss sich überlegen, wofür man sie benutzt.

Ich habe in diesem Jahr relativ wenig privat unternommen, kaum Menschen getroffen, literarische Arbeitsprojekte soweit möglich gern online erledigt. Das könnte schlecht sein, aber es könnte auch bedeuten, dass ich in mich hineingehört habe, um festzustellen, dass das jetzt grade genau so richtig ist.

Ich habe öfter, als zuvor meine Meinung geäußert, auch wenn ich wusste, dass diese Meinung manche verstimmt. Könnte man sich ja auch verkneifen, aber in diesem Jahr musste es aus mir heraus und ich bin froh darüber.

Ich habe in diesem Jahr viel Zeit mit mir selbst verbracht. Heißt das, dass ich vereinsame und sozial verarme oder bedeutet es nicht vielmehr, dass ich zu mir finden, mein Gedankengut sortieren und meine Ideen auf Machbares abklopfen wollte?

Ich habe in diesem Jahr viel, sehr viel unbezahlte Arbeit geleistet. Ist das schlecht, oder bedeutet das, dass ich mir diesen Luxus leisten möchte und Lebensarbeit nicht immer in Geld aufgewogen werden kann?

Ich habe in diesem Jahr viel über mein Leben und die Menschen, die es über die Jahrzehnte hinweg begleitet haben nachgedacht. Bedeutet das, dass ich jetzt zum alten Eisen  gehöre, das nur noch in der Vergangenheit lebt oder zeigt es mir vielmehr, dass ich interessiert bin an den Strukturen in meinem Leben, an den positiven, unterstützenden Begleitern, aber auch an denen, die mir nicht gutgetan haben? (Ein zweiter kleiner Verweis auf den guten Vorsatz für 2026.)

Ich habe mich im vergangenen Jahr von ein paar lieben Menschen verabschieden müssen; wirklich alt sind wir zwar noch nicht, trotzdem wird aber eifrig gestorben im Umkreis. Ich könnte unendlich traurig sein, aber mir kommt es passender vor, mich darüber zu freuen, mit diesen Freunden so schöne Stunden verbracht und so viele Erinnerungen erschaffen zu haben.

Im vergangenen Jahr kam ich aus gesundheitlichen Gründen zweimal an den Rand der Verzweiflung. Ich könnte mich auch rückblickend fragen, warum ausgerechnet mir das passiert. Aber ich habe mich dazu entschieden, mich sehr darüber zu freuen, dass alles einigermaßen gut ausging und ich erleben durfte, dass man auch mal Glück im Unglück haben kann.

Ich habe im vergangenen Jahr viel gewagt und – für mich sehr erstaunlich – viel gewonnen. Nicht im materiellen Sinn, sondern im Hinblick auf das, was ich kann, weiß und gern weitergeben möchte. Ich habe mich freiwillig in unangenehme Situationen begeben und bin gestärkt aus ihnen hervorgekommen.

Von vielen dieser Dinge wurde mir abgeraten. Oder es wurde leise gelächelt und abgewunken im Sinne von »das klappt doch niemals«. Das stimmt mich rückblickend traurig – aus mehreren Gründen, die hier jetzt zu weit führen würden.

Aber ich habe meinem Bauchgefühl vertraut und gemacht, was mir richtig erschien. Das meiste hat gut oder sogar sehr gut funktioniert.

Langsam kommen wir der Sache näher.

Ich habe im vergangenen Jahr mehr als je zuvor bemerkt, dass man ganz allein für sein Leben verantwortlich ist. Liebe, Familie, Freunde, Kollegen – alles unglaublich wichtig. Aber am allerwichtigsten ist, dass man mit sich selbst gut auskommt. Dass man sich gut einschätzen kann, weiß, wieviel Belastung man aushält, auch mal im richtigen Moment die Reißleine zieht.

Natürlich ist in einer Partnerschaft das Miteinander wichtig, aber für das eigene Selbstwertgefühl, das eigene Glück, den Erfolg ist man selbst und tatsächlich ganz allein verantwortlich. Niemand sonst kann einem das abnehmen und ich finde es großartig, dass es so ist.  

Ich hatte ein sehr durchwachsenes Jahr 2025, von allem war etwas dabei. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt – so würde man das wohl ausdrücken. Und nun kommen wir zu dem, was ich mir vorgenommen habe für das Neue Jahr (und nicht nur für dieses sondern auch für die Zeit danach).

Weniger Zweifel, weniger Konkurrenzdenken, weniger Selbstmitleid.

Dafür aber mehr Mut, noch mehr Verlass auf’s Bauchgefühl und jede Menge Zuversicht darauf, dass zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige geschehen wird. Gern auch mehr für andre tun, selbst wenn das bedeuten kann, dadurch selbst einen Nachteil zu haben.

Mein Glas wird in der Zukuft halb voll sein, nicht halb leer.

Und wie ist das mit dem großen »Miteinander«? Ich weiß unterdessen, was ich an anderen so gar nicht mag. Selbstherrlichkeit, fehlende Demut, Überheblichkeit, Besserwisserei, Dummheit, Übergriffigkeit und mangelnde Empathie. Mein wichtigster Vorsatz für 2026 ist, mich von solchen Menschen fernzuhalten oder zu trennen, auch wenn das vielleicht an mancher Stelle ein wenig schmerzt. Aber man ist schließlich für das eigene Umfeld und die damit verbundene Befindlichkeit verantwortlich.

 

Dieser Rückblick samt Vorausschau ist sehr persönlich. Ich habe bewusst politische Aspekte vernachlässigt, auch wenn das im Alltagsleben nicht möglich ist. Kultur ist immer politisch - aber auch hier gilt für mich: mehr Zuversicht, mehr Anpacken, mehr Hoffnung, weniger Jammern und Schimpfen.

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